Das Krokodil

ein Urzeitreptil hat überlebt

Krokodile bevölkern die Erde seit mehr als 200 Millionen Jahren. Schon zu Zeiten der Dinosaurier, die im Mesozoikum lebten, gab es auch die Krokodile. Während die Saurier jedoch vor etwa 65 Millionen Jahren ausgestorben sind, tummeln sich verschiedene Krokodilarten weiterhin in ihren angestammten Lebensräumen am Wasser und sehen immer noch weitgehend genauso aus wie ihre frühen Vorfahren. Die Urzeitreptilien sind Meister, wenn es darum geht, sich an verändernde Lebensräume anzupassen und s auf fast allen Kontinenten zu finden. Nur in Europa sind die gepanzerten Tiere mit den vielen Zähnen bereits seit mehreren Millionen Jahren ausgestorben. Die heutig noch existierenden Krokodile sind in drei Gruppen eingeteilt, die einzelnen Familien unterscheiden sich vorwiegend im Aussehen und durch bestimmte anatomische Merkmale. Ähnlichkeiten bestehen bei allen Gruppen in der Art der Fortpflanzung, dem Jagdverhalten und den bevorzugten Lebensräumen in der Nähe von Gewässern. Man unterscheidet Gaviale, Echte Krokodile und Alligatoren.



Drei Familien – 23 Gattungen

Die einzelnen Krokodilgattungen innerhalb der drei Familien lassen sich außer beim Gavial, von dem es nur eine Gattung gibt, schwer auseinanderhalten. Leicht zu erkennen ist die Zugehörigkeit zur Familie selbst. Vor allem in der Kopf- und Maulform unterscheiden sich die Reptilien signifikant:

Gaviale

Zur Familie der Gaviale gehört heute nur noch eine einzige Art, der Gangesgavial. Das Reptil steht auf der Liste der gefährdeten Arten der Weltnaturschutzunion IUCN. Zu erkennen ist der Gangesgavial an der besonders langen und sehr schmalen Schnauze. Die Männchen besitzen an der Spitze eine Verdickung, die an eine Knolle erinnert. Nur beim Gavial gibt es deutliche Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Tieren.

Krokodile

Die echten Krokodile bestehen aus insgesamt 14 Untergattungen, die optisch nicht leicht zu unterscheiden sind. Sie stellen die größte Familie dar und unterscheiden sich von den anderen Krokodilen vor allem durch den besonders breiten Schädel und den vierten Zahn des Unterkiefers, der bei geschlossenem Maul von außen sichtbar ist. Das größte unter den echten Krokodilen ist mit einer Länge von mehr als 5 Metern das Leistenkrokodil, das als im Süß- und im Salzwasser leben kann.

Alligatoren

Die Familie der Alligatoren umfasst Alligatoren und Kaimane. Alligatoren leben deutlich langsamer als ihre Verwandten, die echten Krokodile. Dies bezieht sich auf die Stoffwechselvorgänge ebenso wie auf die Entwicklung. Vorteil dieser gemächlichen Lebensweise: Alligatoren können doppelt so alt werden wie echte Krokodile. Bei geschlossenem Maul liegen die Zähne des Oberkiefers außen, dies bildet das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu den anderen Familien.



Die Anatomie des Krokodils

Krokodile sind wechselwarme Tiere und passen sich der Umgebungstemperatur an. Die Reptilien vertragen Temperaturen bis etwa 15 Grad plus, für Alligatoren darf es noch etwas kühler sein. Durch die Physiognomie setzen Krokodile erheblich weniger Energie als vergleichbare Warmblüter, die etwa 80% der zugeführten Energie für die Stabilisierung der Körpertemperatur brauchen. Als wahre Hungerkünstler können die Tiere zudem monatelang ohne Nahrung auskommen und gelten deshalb als echte Überlebenskünstler, die auch ungünstige Lebenssituationen meistern können. Der Körperbau ist an das Leben im Wasser angepasst, die flache Form und der als Ruder geeignete Schwanz weisen darauf hin. Die Tiere wachsen ein Leben lang und erreichen dementsprechend beachtliche Längen. Das größte bekannte Krokodil der letzten Jahrzehnte war 6,17m lang. Das Salzwasserkrokodil lebte in einem Park für Ökotourismus auf den Philippinen und starb im Februar 2013. Wie alt Krokodile werden können, ist nicht wirklich bekannt, Schätzungen nennen Zahlen von bis zu 100 Jahren, der älteste in Gefangenschaft gehaltene Alligator erreichte ein Alter von 77 Jahren. Krokodile gehören zu den Panzerechsen, der Name rührt von dem harten Schuppenpanzer her, der auf dem Rücken zusätzlich durch Knochenplatten verstärkt ist. Generell gilt, dass vor allem bei den kleineren Arten der Panzer stark verknöchert ist, das Leistenkrokodil und andere Riesen schützen sich durch ihre Größe.



Das Jagdverhalten der schuppigen Riesen

Krokodile sind perfekt an ihren Lebensraum angepasst. Sie haben ausgezeichnete Augen und einen sehr feinen Geruchssinn. Mit viel Geduld lauern sie in den Uferbereichen der Gewässer, nur Augen, Nasenlöcher und Teile des Rückenpanzers sind zu sehen. Durch Färbung sind sie dort perfekt getarnt. Im Kiefer verfügen die Krokodile über feine Sensoren, die auch leise Bewegungen am Wasser wahrnehmen. Dadurch spüren sie ihre Opfer auf und schnappen sie blitzartig, um sie in die Tiefe zu ziehen. Die schnellen Bewegungen werden durch den muskulösen Schwanz möglich. Selbst auf die Situation, mit einer Beute im halb geöffneten Maul unterzutauchen, ist die Spezies bestens gerüstet. Eine Art Klappe im Rachen, die geöffnet oder geschlossen werden kann, verhindert das Eindringen von Wasser in die Lunge. Krokodile können nicht kauen und nicht abbeißen, da der Unterkiefer starr ist. Eine Zunge haben die Tiere übrigens auch nicht Deshalb reißen sie durch schnelle Drehbewegungen des ganzen Körpers Stücke aus dem Beutetier und verschlingen sie. Verdaut wird das Fleisch komplett im Magen. Zu den Beutetieren erwachsener Krokodile gehören hauptsächlich Fische, Wasservögel und Säugetiere von mittlerer Größe. So behände sie sich im Wasser bewegen, so unbeholfen wirken Krokodile an Land. Allerdings können sie auch dort mit ihren kräftigen Beinen beachtliche Geschwindigkeiten erreichen. Dem Menschen können nur wenige Arten gefährlich werden, darunter das Nilkrokodil aus Afrika oder das Leistenkrokodil aus Australien. Wie die meisten Tiere meiden aber auch Krokodile den Menschen und greifen nur in Ausnahmefällen an.



Liebevolle Eltern – die Fortpflanzung der Krokodile

Je nach Art können sich Krokodile bis zu 40 Jahre fortpflanzen. Sie legen etwa 20 bis 80 Eier, die nötige Brutwärme entsteht durch vergärte Pflanzenreste, mit denen die Nester ausgelegt sind. Je nach Bruttemperatur entwickeln sich Weibchen oder Männchen im Nest: Temperaturen von 28 bis 31 Grad fördern die Entwicklung von weiblichen Krokodilen, männlicher Nachwuchs bildet sich im Bereich zwischen 31 und 34 Grad. Nach etwa 60 bis 100 Tagen kommen die Jungen zur Welt, bis dahin bewachen die Eltern das Nest mit viel Hingabe. Sind die Babys schlüpfbereit, dann piepsen sie und zerstören von innen die Schale. Die Krokodilmutter hilft dabei und trägt die Babys anschließend vorsichtig zwischen den Zähnen zum Wasser. Angst davor, dass Mama zu fest zubeißt, brauchen die Krokodilkinder nicht zu haben. Durch empfindsame Nerven in den Zahnwurzeln kann die Beißkraft genau reguliert werden. Mit dem Transport in die Uferbereiche erschöpft sich die liebevolle Fürsorge der Eltern dann aber auch, die kleinen Reptilien müssen selbst zurechtkommen und sich um die Nahrungssuche und ums Überleben kümmern. Dementsprechend ist die Überlebenschance gering. Greifvögel, Raubfische und Schildkröten lassen sich die Babykrokodile nur allzu gern schmecken. Die Überlebensrate liegt bei etwa 10%, dies ist der Grund, warum im Gelege der Krokodile ein großer Überschuss herrscht. Die Population begrenzt sich später noch weiter, da schwächere Tiere von den Älteren vertrieben oder getötet werden. Ob unter Krokodilen Kannibalismus üblich ist, ist nicht gesichert. Wahrscheinlicher ist, dass es sich bei den zu beobachtenden Kämpfen um Rivalenkämpfe handelt. Tierforscher gehen nicht davon aus, dass Eltern den eigenen Nachwuchs fressen, da sie diesen mit ihren feinen Sinnen leicht am Geruch erkennen können.



Krokodile als soziale Wesen

Ob und in welcher Form Krokodile ein Sozialverhalten im herkömmlichen Sinne zeigen, lässt sich schwer feststellen. Bekannt ist, dass bestimmte Arten gemeinsam auf die Jagd gegen, was zumindest eine Form der Kommunikation erforderlich macht. Große Beutetiere werden in der Gruppe von einem Tier zum anderen getrieben und zerfleischt. Ebenfalls oft zu sehen ist, dass Krokodile sich einen vergleichsweise engen Raum teilen und dort gemeinschaftlich in der Sonne liegen. Allerdings ist auch hier nicht klar, ob es um die Nähe zu den Artgenossen oder den Platz an der Sonne geht. Die Verständigung der Krokodile erfolgt über ein recht großes Repertoire an Lauten, die Töne liegen zum Teil im Infraschallbereich, der vom menschlichen Ohr nicht mehr wahrgenommen werden kann.



Lebensräume (fast) auf der ganzen Welt

Krokodile sind außer in Europa und der Antarktis auf allen Kontinenten zu finden. Sie leben in tropischen und subtropischen Regionen und immer in der Nähe von Gewässern mit umliegenden Feuchtgebieten. Leistenkrokodil und Spitzkrokodil aus der Familie der Echten Krokodile leben im Salzwasser, alle anderen Krokodilgattungen sind auf Süßwasser angewiesen.

Krokodile in Afrika

In Afrika lebt das größte der Echten Krokodile, das Nilkrokodil. Ursprünglich war die Art in ganz Afrika verbreitet und hatte sich Lebensräume an nahezu allen Flüssen erobert. Heute sind die Bestände stark dezimiert, die meisten Nilkrokodile leben in Reservaten und Schutzgebieten. Lediglich in Kenia und Gambia sind noch wildlebende Tiere zu finden.

Krokodile in Asien

Das Leistenkrokodil, eines der wenigen Krokodilarten, die im Salzwasser lebt, ist in ganz Südost-Asien verbreitet und war durch seine Fähigkeit aufs Meer hinauszuschwimmen in der Lage auch entlegenere Inseln zu bevölkern. Das Reptil lebt an Flussmündungen, in Mangrovensümpfen und ähnlichen Feuchtgebieten. In Nepal und in Nordindien lebt der Gangesgavial. Meist ist diese stark bedrohte Art in Schutzgebieten und an den Nebenflüssen des Ganges zu finden.

Krokodile in Amerika

In Amerika ist das Spitzkrokodil beheimatet. Diese Gattung kann ebenfalls im Salzwasser leben, obwohl es Süßwassergebiete bevorzugt. Man findet das Spitzkrokodil hauptsächlich in Mittelamerika und zum Teil auch in den südlichen US-Bundesstaaten, vor allem in Florida. Auch in der Karibik, auf Kuba, Haiti oder Jamaika gibt es noch kleinere Bestände. Küstennahe Mangrovensümpfe, Lagunen und Flussmündungen werden von den Tieren vorwiegend besiedelt. An der Ostküste der USA lebt in verschiedenen Gebieten der Mississippi-Alligator, in Südamerika ist außerdem der Brillenkaiman zu finden.

Krokodile in Australien

In Australien findet man das Australien-Krokodil. Das Süßwasserkrokodil bevölkert den McKinley-River im Northern Territory und ist teilweise in Queensland und Western Australia zu finden. An den Nordküsten des Kontinents ist auch das Leistenkrokodil verbreitet, das im Übrigen auch viele der Inseln zwischen Australien und Südostasien besiedelt hat.



Krokodile und Menschen

Immer wieder hört man von Überfällen durch Krokodile auf Menschen. Auch wenn dies dramatisch klingt und es im Einzelfall auch ist, stellt das Krokodil für den Menschen im Allgemeinen keine Gefahr dar. Die Tiere meiden den Menschen instinktiv und greifen nur in Ausnahmefällen an. Todesfälle sind recht selten, in Australien hat es in knapp 30 Jahren 14 tödliche Unfälle im Zusammenhang mit Krokodilen gegeben. Gefährlich werden die Tiere vor allem dann, wenn sie ihre Nester bedroht sehen. Um Krokodilnester sollten Menschen deshalb unbedingt einen großen Bogen machen. Auch das Baden in Krokodilgebieten kann gefährlich werden, da das Krokodil den Menschen dann leicht als Beutetier sieht. Insgesamt gelten die Salzwasserkrokodile als aggressiver, während Süßwasserkrokodile ihr Heil meist in der Flucht suchen. Dementsprechend sind an den meisten Unfällen auch die Salzwasserarten beteiligt.



Das Krokodil in der Mythologie

Krokodile spielen in vielen Mythologien der Menschheit eine wichtige Rolle. Im alten Ägypten wurden die Tiere als heilig verehrt. Der Krokodilgott Sobek war der Herrscher über das Wasser und gleichzeitig Gott der Fruchtbarkeit. In den Darstellungen wurde Sobek als Mensch mit Krokodilskopf gezeigt, zahlreiche Tempel waren ihm geweiht. Bei den Mayas trug Imix die Welt auf seinem Rücken. Häufig wird das Reptil auch als Mutter und Erdgöttin gesehen und immer eng mit Wasser und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Besonders in Südamerika führt das Krokodil die Seelen in die Unterwelt und begleitet sie auf ihrer letzten Reise ins Reich der Toten. Das Krokodil in der Mythologie steht für Leben und Tod, Schöpfung und Zerstörung, aber auch für die Wiedergeburt und symbolisiert so den ewigen Kreislauf. Naturvölker und viele Kulturen nutzen das Krokodil als Krafttier. In einigen schamanischen Linien warnt das Erscheinen eines Krokodils im Traum vor der Übermacht von Feinden und bevorstehendem Ärger, der nicht mit nackter Gewalt, sondern nur mit Geschick und Klugheit überwunden werden kann. Eine große Rolle spielt das Krokodil in Nordaustralien. Die Aborigines, sie messen ihm verschiedene machtvolle Bedeutungen zu. Von dort stammen auch die ältesten bekanntesten Darstellungen als Ritzzeichnungen, deren Alter auf etwa 30.000 Jahre geschätzt wird. In der heutigen Zeit und in unserer westlichen Kultur, hat das Krokodil die Rolle des erklärten Bösewichts übernommen. Es wurde zum Symbol für Brutalität und Hinterlist, zelebriert wurde die Zuordnung dieser menschlichen Eigenschaften zum Beispiel in der Geschichte von Peter Pan oder im Kasperltheater, in dem das Reptil stets für Gier, große Gefahr und Triebhaftigkeit steht. Die in den Medien kursierenden Geschichten über Krokodilangriffe prägen das Bild weiterhin und stehen gleichzeitig den stark verniedlichten Darstellungen wie Markenbezeichnungen, Maskottchen oder Stofftieren entgegen.



Wirtschaftliche Nutzung

Krokodile werden vom Menschen genutzt, seit dieser in der Lage ist, die großen und wehrhaften Tiere zu erbeuten. Anfangs wurden sie vor allem aufgrund des Fleisches gejagt; verschiedene Körperteile wie Innereien und Rückenschilder wurden in Südostasien für die Herstellung von Medizin genutzt. Als Zutat für Zaubertränke waren Klauen und Zähne begehrt. In den letzten Jahrhunderten kam es zu einer intensiven Verfolgung der Tiere, Grund dafür waren das Fleisch wie auch die Haut. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wurden daraus Stiefel, Satteltaschen und Schuhe gefertigt. Im Amerikanischen Bürgerkrieg wurden Krokolederprodukte dann als Luxusartikel zunehmend begehrt. Im Laufe der Zeit wurden die Bestände mehr und mehr dezimiert, so dass heute viele Gattungen gefährdet sind und unter Schutz stehen. Aus diesem Umstand haben sich die Krokodilfarmen entwickelt, die heute weitgehend die Krokodilprodukte liefern. In den Zuchtanlagen wird das Krokodil nicht nur verwertet, sondern auch die Arterhaltung und Aufstockung der Wildbestände wird betrieben. Die Nachfrage nach Produkten aus Krokodil ist in den letzten Jahren zurückgegangen, so dass die Haupteinnahmequellen der Farmen heute meist die Touristen sind.

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